Rucksäcke voll Steinen abgenommen
„Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön, sowas hat man lange nicht gesehn“ schallte es nach 60 Handball-Minuten ganz nach dem Geschmack der Gelb-Blauen aus dem prall gefüllten Gästefanblock. Alle wirkten sie befreit, die ausgelassen auf den Rängen feiernden Konstanzer, die in den letzten zwei Jahren richtige harte Zeiten durchlebt hatten. Aber auch unten auf der Platte sah man pure Spielfreude, als hätte man den Spielern in den neuen lila Auswärtstrikots Rücksäcke voll Steine vom Rücken genommen. „Ja“, bemerkte auch Trainer Ralf Bader, „die Jungs haben befreit aufgespielt und das richtig genossen. Dass sie gut spielen können, wissen wir.“ Von Beginn an entwickelten sie zusammen mit ihrer gelb-blauen Wand im Rücken Spaß und Freude an einem zunächst erwartet heißen, intensiven Derbyfight. Die HSG Albstadt hatte sich extra etwas vorbenommen und sich unter der Woche noch einmal mit besonderen Maßnahmen auf den Vergleich mit der HSG eingeschworen. „Es war spürbar“, so Bader, „dass Albstadt das Ruder herumreißen und gegen uns unbedingt die ersten Punkte einfahren wollte.“
Rot für Pliuto
Entsprechend legten die Gastgeber von der Schwäbischen Alb, bei denen auch der Ex-Konstanzer Gregor Thomann mitwirkte, los und führten nach drei Minuten direkt mit 3:1. Konstanz musste neben den schon seit Wochen fehlenden Jonas Hadlich, Tim Enninghorst und Jannik Hohlweg auch noch auf den kurz vor dem Spiel verletzten Nikita Pluto verzichten, konnte sich aber zugleich über das Comeback von Luca Schwormstede freuen. Der schon vor einer Woche kaum zu stoppende Spielmacher Philipp Hlawatsch war es dann auch, der beim 5:4 die erste Konstanzer Führung an diesem Abend markierte. Kurz nachdem Maxim Pliuto auf 6:4 erhöht hatte, wurde der Linkaußen der HSG nach einem Kontakt mit Thomann auf der Außenposition mit Rot vom Feld gestellt. Thomann netzte auch den folgenden Siebenmeter ein. Konstanz musste sich in den nächsten Minuten neu ordnen. Mit einer offensiven 3:2:1-Abwehr ärgerte Albstadt die HSG im Spielaufbau und ging mit 10:9 in Front. Bis fünf Minuten vor der Pausensirene blieb es auch aufgrund der mangelhaften Chancenverwertung der HSG ein Spiel auf Augenhöhe (13:13), ehe Konstanz mit einem 5:0-Lauf auf 19:13 erhöhte und einen ordentlichen Vorsprung mit in die Kabine nehmen konnte.
HSG-Maschine kommt ins Laufen
Eine Schlüsselfigur war dabei neben Hlawatsch der eingewechselte Sven Iberl. Der quirlige Rückraumspieler wirbelte die Albstädter Deckung immer wieder mächtig durcheinander und setzte sich sehenswert im Eins-gegen-Eins durch. Was sich im zweiten Durchgang abspielte, war ganz nach dem Geschmack Baders und des Konstanzer Anhangs. „Wir wollen das Gefühl entwickeln, als Gemeinschaft mit unseren Fans Spaß zu haben“, so der 45-Jährige. Mit steigendem Selbstvertrauen kam die HSG richtig ins Rollen, oder, um im Bilde von Co-Trainer Daniel Eblen zu bleiben: Die Maschine der HSG kam immer besser ins Laufen und war nicht mehr zu stoppen. Aus einer gewohnt kompakten, offensiven Abwehr heraus, unterstützt von Torwart Adam Studentkowski, lief die HSG zahlreiche Konter.
Dominant dank Abwehrbollwerk
Nach 35 Minuten leuchtete schon ein 21:14 für die Gäste auf der Anzeigetafel. Die Kräfte der aufgrund des hohen Tempos der Konstanzer offensiv wie defensiv sehr geforderten Hausherren begannen in der Folge zusehends zu schwinden. Schon vor Anbruch der letzten Viertelstunde (21:29) war die Vorentscheidung gefallen. Konstanz hatte aber noch lange nicht genug und blieb bis zum Schluss auf dem Gaspedal. „Wir haben“, lobte der Trainer, „hinten richtig dicht gemacht und sind in der zweiten Hälfte dominant aufgetreten.“ Mit einem Schmunzeln verriet der ehemalige Bundesligaspieler, dass so auch der Trainer an der Seitenline das Spiel – ohne Spannung bis zur letzten Sekunde – genießen konnte.
Bader: „Genau so habe ich es mir vorgestellt“
So bot sich die Gelegenheit, die Spielanteile auf alle Schultern zu verteilen und das eine oder andere Highlight-Tor zu zelebrieren. Vor allem aber ganz viel Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben zu tanken und das eigene Leistungspotenzial bis zum Schluss zu bestätigen. Auch mit dem siebten Feldspieler der Württemberger hatte Konstanz keine Probleme und konnte die Balleroberungen zu leichten Toren nutzen. Bader: „Es war eine super Stimmung in der Halle, da lag von Beginn an richtig etwas in der Luft. Genau so habe ich es mir vorgestellt.“ Trainer glücklich, Spieler glücklich, Fans euphorisiert.
Direkt das nächste Derby
Diese Aufbruchstimmung gilt es nun direkt in das nächste Derby am Freitagabend um 20 Uhr gegen den HBW Balingen-Weilstetten II zu transportieren. Dann in der eigenen Schänzle-Hölle.
HSG Konstanz: Konstantin Pauli, Adam Studentkowsk (beide Tor); Michel Stotz (4), Aron Czako (5), Sven Iberl (6), Lars Michelberger (9/6), Philipp Hlawatsch (5), Luca Schwormstede (1), Jo Knipp, Maxim Pliuto (1), Jan Stotten (3), Lukas Dietrich (5), Janne Pietrusky.
Zuschauer: 350.
Quelle: PM HSG Konstanz